Nach dem Turnier ist vor dem Turnier! (Heißt es), sodass von Taufkirchen auch dieses Jahr wieder einige Spieler das jährliche Turnier in Bad Ischl spielen. Im A-Turnier sind Anton, Philipp und Alex Stadler sowie Bernhard Endtmayer mit dabei, außerdem ist Passaus Markus Hinterreiter am Start. Turnierfavorit ist der Herausgeber der Schach-Zeitschrift "Rochade Europa", FM Jens Hirneise (2362 FIDE), das A-Turnier zählt dieses Jahr wieder ganze 82 Teilnehmer.
Freitag, Runde 1:
Nach der Anfahrt war direkt die erste Runde, welche für uns leider ziemlich katastrophal begann - obwohl wir alle gegen Schwächere spielen durften, konnte keiner seine Partie gewinnen.
Zumindest bei Alex war nicht viel los, sodass relativ schnell ein friedliches Remis bei herauskam. Für Philipp und Anton lief es nicht so gut: Bereits auf der Hinfahrt wurde Philipp von Alex vor seinem Gegner gewarnt, da er gegen diesen letztes Jahr verloren hatte. Die Partie lief ziemlich unglücklich: Der Gegner stellte bereits in der Eröffnung recht viel Material ein, bekam jedoch einen recht gefährlichen Angriff als Kompensation, welcher letztlich durchschlug. Um einen anonymen FM zu zitieren: "Schach ist nur Glück".
Anton kam mit Schwarz gegen die Schwarzfelder-Blockade im Jobava London nicht gut an und musste schlussendlich ebenfalls die Segel streichen. Auch Markus verlor - so schlecht sind wir wirklich lange nicht mehr in ein Turnier gestartet.
Samstag, Runde 2 und Blitz-Turnier:
Am Samstag morgen war daher Wiedergutmachung angesagt: Philipp und Anton spielten nebeneinander und konnten parallel die Sizilianisch-Eröffnung ihrer Gegner auseinandernehmen. Insbesondere Antons Partie war nach einem schönen Opfer auf f6 gefühlt nach 20 Minuten schon vorbei. Auch Alex konnte seinem Gegner bereits sehr früh eine ganze Figur wegnehmen. 3/3 also - das passt schon viel eher zu Taufkirchen!
Am Abend war dann noch das Blitz-Turnier, welches für Anton mit 6,5/11 und einiges an Elo-Plus ziemlich gut lief. Lange sah es aus, als würde Markus das Blitzen gewinnen, allerdings verlor er nach einem 8/9 Start die letzten beiden Runden und wurde daher letztlich nur Zweiter, einen Punkt hinter FM Philipp Wendl.
Sonntag, Runde 3 und 4:
Am Sonntag stand dann die einzige Doppelrunde an, bei der Alex Vormittags pausierte. Anton spielte ein tolles Isolani-Endspiel mit sehr coolen taktischen Motiven und konnte den zweiten Sieg in Folge einfahren. Philipp hatte eine chaotische Partie gegen Ilmmünsters Georg Seisenberger, in welcher der Gegner in den ersten zehn Zügen sieben seiner acht Bauern bewegte (nur der h-bauer blieb verschont), jedoch trotzdem irgendwie ganz gut rauskam. Im Mittelspiel wurden erst zwei Bauern gewonnen, dann lief aber irgendwie alles schief und es kam ein total verlorenes Läufer-Endspiel bei raus, welches der Gegner glücklicherweise nicht verwertete - gerade so nochmal davongekommen.
Am Nachmittag stand dann schon die vorletzte Runde an. Diesmal hatte nur Philipp eine entspannte Partie mit Weiß gegen Peter Freimüller, während der Rest schwer arbeiten musste: Anton öffnete früh etwas riskant seinen König gegen einen starken jungen Gegner, welcher ihn dann jedoch mit einer Wiederholung davonkommen ließ. Alex musste sich mit dem Stonewall des Gegners herumschlagen und opferte viel Material für einen Gegenangriff, welcher letztendlich dann doch noch zum Erfolg führte. Damit stehen vor der letzten Runde Philipp und Anton bei 2,5/4 Punkten, während Alex dank des "byes" sogar noch einen Halben mehr hat.
Montag, Runde 5:
Nach einem vollen Schach-Wochenende fand am Montag Morgen dann noch die fünfte und letzte Runde statt. Alex bekam einen Geschenk von seinem Gegner, der in einem ausgeglichenen Läufer-Endspiel seinen wichtigsten Bauer und die Partie hergab. Anton bekam früh das Läuferpaar in einer interessanten Französisch-Struktur, die Parte endete aber letztlich Remis. Philipp hatte eine kuriose Partie mit Schwarz gegen einen weiteren Spieler von Ilmmünster, Andreas Kampert (2043 FIDE): Aus einer guten Stellung nahm er einen gegnerischen g-Bauer mit, was dem Gegner (erneut!) einen starken Königsangriff ermöglichte - dieser bot jedoch dann mit einer Stunde mehr und einem gefährlichen Angriff Remis an, was natürlich dankend angenommen wurde. Bereits das zweite glückliche Remis, aber die Schwarz-Partien waren dieses Wochenende wirklich irgendwie verflucht.
Damit endeten Philipp und Anton mit eher mäßigen 3/5 Punkten, vor allem wegen der bitten Erstrunden-Niederlagen, während Alex dank des "byes" auf 4/5 endete. Das beste Schach spielte aber wahrscheinlich Bernhard, welcher nach einer Erstrunden-Niederlage gegen FM Wendl drei Partien gewinnen konnte und ebenfalls wegen eines "byes" damit auf 3,5/5 Punkten endete. Den Turniersieg holte sich übrigens überraschend der 18-jährige Julian Jetzl (2216 FIDE) dank der besseren Feinwertung mit 4,5/5 punktgleich mit FM Luca Englert, welcher in der vierten Runde den Turnierfavoriten Jens Hirneise ausschalten konnte.
Fazit: Insgesamt macht das Turnier sehr viel Spaß - schönes Wetter, schöner Austragungsort - aber beim Schach wäre noch Luft nach oben gewesen. Eine mögliche Lehre: Wenn der Gegner Material hängt, nehmt es nicht! Auch für dieses Turnier aber insgesamt eine starke Teilnahme-Empfehlung von uns für nächstes Jahr.