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Czech Open 2026
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Czech Open 2026

 Sommer ist Turnierzeit! In dem Sinne machen Michel und Philipp aktuell Tschechien unsicher und treten in Pardubice bei einem der größten Schach-Festivals Europas an. Das Neun-Runden-Turnier ist sehr stark besetzt - wir starten beide in der unteren Hälfte- und sollte eine echte Herausforderung werden.

Freitag, Runde 1:

Erwartungsgemäß wurden wir in der ersten Runde ziemlich hochgelost. Michel bekam aus der Eröffnung eine super Stellung gegen den kroatischen Routiner IM Boris Golubovic (2322 FIDE), verbrachte aber viel Zeit damit, einer Zug-Wiederholung aus dem Weg zu gehen. Irgendwann brachen die schwarzen Figuren aber aus der Grundreihe aus und Schwarz gewann das Endspiel - da war definitiv mehr drin. Eine sehr lehrreiche Partie im Hinblick auf wie man einen nicht-rochierten König anzugreifen. Philipps Position sah währenddessen etwas skatchy aus, aber am Ende wurde trotzdem ein relativ ungefährdetes Remis mit Schwarz gegen den armenischen FM Sargis Manukyan (2376 FIDE) ergaunert. Insgesamt also ein vielversprechender Start!

Samstag, Runde 2:

Am Samstag konnte die gute Form dann beibehalten werden: Für Michel bereiteten wir eine neue Variante zur Überraschung gegen den jungen lettischen FM Mikelis Vingris (2295 FIDE) vor, welche voll einschlug: Michel stand die ganze Partie sehr komfortable und fand einige tolle strategische Ideen, jedoch konnte sich Weiß am Ende in ein Dauerschach retten. Philipp hatte währenddessen Weiß gegen FM Matous Eret (2345 FIDE), welcher etwas seine Entwicklung vernachlässigte, um eine chaotische Stellung zu erzeugen - dies erwies sich aber als Bumerang und Schwarz musste bereits au Zug 23 mit dem König im Zentrum die Segel streichen. Sehr erfolgreicher Tag für uns also, so muss es weitergehen.

Sonntag, Runde 3:

Der Sonntag brachte auch aufgrund der starken Gegner wieder etwas Ernüchterung: Philipp durfte zum erst zweiten Mal in seinem Leben im Turnierschach gegen einen Großmeister antreten und war im Leichtfiguren-Endspiel sehr nah dran am Remis, musste sich am Ende aber dem Läuferpaar geschlagen geben. Michel wurde vom slowakischen FM Mykola Domanskiy (2311 FIDE) in der Eröffnung überrascht, kämpfte sich dann aber sehr stark aus einer strategisch schlechten Stellung raus in ein 3v2 Turmendspiel, in welchem dann nichts mehr los war.

Zwischenfazit: Bis jetzt können wir mit den 2300+ Gegnern ganz gut mithalten und konnte jeden Tag punkten - leichter werden wird es aber nicht.

Montag, Runde 4:

In der vierten Runde geschah dann aber der befürchtete worst case mit 0/2. Philipp schaffte es gegen einen 16-jährigen polnischen FM auf studien-mäßige Art und Weise, in einem ausgeglichenen Endspiel seinen Turm einzusperren. Michel bekam gegen den 17-jährigen norwegischen FM Louis Khoo-Twee (2268 FIDE) eigentlich eine gute Eröffnung, wurde dann aber irgendwie recht schnell auf der Königseite überrannt. Beide Gegner beeindruckten mit einem wahnsinnigen Tempo, was ihnen jeweils einen großen Zeitvorsprung einbrachte,

Morgen geht es dann zum ersten Mal gegen auf dem Papier schwächere Gegner - bis jetzt hatten wir 8/8 Titelträger. Kuriose Randnote: Bei einem Turnier in der tschechischen Republik würde man erwarten, überwiegend gegen Tschechen zu spielen - stattdessen haben wir in den ersten fünf Runden Gegner aus neun (!) verschiedenen Nationen zugelost bekommen, was eine coole internationale Erfahrung ist.

Dienstag, Runde 5:

Manchmal gibt es auf Turnieren so einen Tag, an dem irgendwie alle verflucht sind - den hatten wir heute. Philipp wurde von einer jungen WFM aus Südafrika direkt aus der Eröffnung attackiert und musste sich mit einem Doppel-Qualitätsopfer in eine Wiederholung retten. Michel vergab gegen einen alles blitzenden Ukrainer zunächst einen großen Eröffnungs-Vorteil, erarbeitete sich dann aber wieder ein gewonnenes Turm-Endspiel, nur um dann in letzter Sekunde Stalemate einzustellen! Ein Remis, dass sich wie eine Niederlage anfühlt. Morgen müssen jetzt wirklich mal wieder ein paar Siege eingefahren werden.

Mittwoch, Runde 6:

Leider brachte auch die sechste Runde nicht die erhoffte Katharsis. Michel hatte mit den schwarzen Steinen spielend einen ziemlich interessanten Gegner, einen älteren ukrainischen IM mit einer unpassenden Elo-Zahl von 2026 FIDE. Der konnte aber auch noch ganz gut spielen und bekam ein 4v3 Damenendspiel, welches Michel dann super stark ins Remis verteidigen konnte - objektiv war es aber wohl gewonnen für Weiß. Philipp hatte währenddessen eine scharfe Najdorf-Partie gegen den tschechischen CM Tobias Svacina (2225 FIDE), in welcher Schwarz etwas gewagt einige Bauern nahm, dann aber stark seinen König deckte und mit einem Königsmarsch von e8 nach c4 (mit Damen am Brett!) letztlich den Sieg davontragen konnte.

Damit stehen wir jetzt beide bei 2/6 und haben insgesamt erst eine von zwölf Partien gewonnen - das hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt. Es sind aber noch drei Runden zu spielen und ein guter Endspurt weiterhin möglich.

Donnerstag, Runde 7:

Während das Turnier auf die Zielgerade einbiegt, geht es bei uns endlich wieder aufwärts. Michel bekam eine undankbare Aufgabe gegen ein 11-jähriges indisches Kind, meisterte diese aber souverän: Im Mittelspiel konnte der Gegner noch halbwegs mithalten, fand dann aber im Turm-Endspiel nicht die richtigen Verteidigungszüge, sodass Michel seinen ersten Sieg eintüten konnte. Philipp bemühte sich währenddessen redlich, gegen den tschechischen Veteran Martin Smajzr (2074 FIDE) in einer sehr geschlossenen Stellung Chancen zu kreieren, aber am Ende erwies sich die Position als einfach zu locked. Immerhin aber ein Tag ohne Niederlage für uns; hoffentlich bleibt es in den letzten zwei Runden dabei.

Freitag, Runde 8:

Während Didi in Portugal aufschlägt, setzte sich gegen Ende des Turniers unser Aufwärtstrend fort: Philipp konnte endlich seine zweite Partie gewinnen, eine chaotische Französisch Partie gegen einen jungen Israeli, der erst stark verteidigte, aber dann in Zeitnot nicht die richtigen Züge fand. Michel hatte ein relativ ruhiges und von beiden Seiten gut gespieltes Remis gegen den Tschechen Marek Sykora (2276 FIDE), in welchem in der Eröffnung eventuell sogar mehr drin war. Fun fact: Durch den israelischen Gegner kommen wir jetzt auf elf verschiedene Nationen bei den Gegnern.

Samstag, Runde 9:

Nach einer langen und anstrengenden Woche gab es dann am Samstag Vormittag noch die Schlussrunde. Philipp hatte eine verrückte Partie gegen FM Ondrej Toman (2323 FIDE), welcher bereits auf Zug 4 (!) einen krassen Fehler beging. Leider wurde zu viel Zeit verbraucht und der Vorteil auf Zug 39-40 überwiegend verspielt und im anschließenden 4v3 Turm-Endspiel kein echter Druck mehr ausgeübt. Michel hingegen konnte zum Abschluss nochmal einen starken Sieg gegen den polnischen Youtuber CM Tomasz Jaskolka (2238 FIDE) einfahren, nachdem er einige Bauern für die schwarzen Felder opferte und schlussendlich ein vorteilhaftes Endspiel verwerten konnte.

Fazit: Vier Siege aus 18 Partien klingt eigentlich nicht besonders gut, aber trotzdem können wir einigermaßen zufrieden sein: Wir sind beide in der unteren Turnierhälfte gestartet und konnten es trotz der Hitze und der vielen jungen und starken Gegner auf 4/9 (Philipp) beziehungsweise 4,5/9 Punkte (Michel) mit etwas Elo-Plus schaffen. In jedem Fall ein super Turnier, um sich gegen deutlich stärkere Spieler herauszufordern und etwas über Schach zu lernen.