Sommer ist Turnierzeit! In dem Sinne machen Michel und Philipp aktuell Tschechien unsicher und treten in Pardubice bei einem der größten Schach-Festivals Europas an. Das Neun-Runden-Turnier ist sehr stark besetzt - wir starten beide in der unteren Hälfte- und sollte eine echte Herausforderung werden.
Freitag, Runde 1:
Erwartungsgemäß wurden wir in der ersten Runde ziemlich hochgelost. Michel bekam aus der Eröffnung eine super Stellung gegen den kroatischen Routiner IM Boris Golubovic (2322 FIDE), verbrachte aber viel Zeit damit, einer Zug-Wiederholung aus dem Weg zu gehen. Irgendwann brachen die schwarzen Figuren aber aus der Grundreihe aus und Schwarz gewann das Endspiel - da war definitiv mehr drin. Eine sehr lehrreiche Partie im Hinblick auf wie man einen nicht-rochierten König anzugreifen. Philipps Position sah währenddessen etwas skatchy aus, aber am Ende wurde trotzdem ein relativ ungefährdetes Remis mit Schwarz gegen den armenischen FM Sargis Manukyan (2376 FIDE) ergaunert. Insgesamt also ein vielversprechender Start!
Samstag, Runde 2:
Am Samstag konnte die gute Form dann beibehalten werden: Für Michel bereiteten wir eine neue Variante zur Überraschung gegen den jungen lettischen FM Mikelis Vingris (2295 FIDE) vor, welche voll einschlug: Michel stand die ganze Partie sehr komfortable und fand einige tolle strategische Ideen, jedoch konnte sich Weiß am Ende in ein Dauerschach retten. Philipp hatte währenddessen Weiß gegen FM Matous Eret (2345 FIDE), welcher etwas seine Entwicklung vernachlässigte, um eine chaotische Stellung zu erzeugen - dies erwies sich aber als Bumerang und Schwarz musste bereits au Zug 23 mit dem König im Zentrum die Segel streichen. Sehr erfolgreicher Tag für uns also, so muss es weitergehen.
Sonntag, Runde 3:
Der Sonntag brachte auch aufgrund der starken Gegner wieder etwas Ernüchterung: Philipp durfte zum erst zweiten Mal in seinem Leben im Turnierschach gegen einen Großmeister antreten und war im Leichtfiguren-Endspiel sehr nah dran am Remis, musste sich am Ende aber dem Läuferpaar geschlagen geben. Michel wurde vom slowakischen FM Mykola Domanskiy (2311 FIDE) in der Eröffnung überrascht, kämpfte sich dann aber sehr stark aus einer strategisch schlechten Stellung raus in ein 3v2 Turmendspiel, in welchem dann nichts mehr los war.
Zwischenfazit: Bis jetzt können wir mit den 2300+ Gegnern ganz gut mithalten und konnte jeden Tag punkten - leichter werden wird es aber nicht.
Montag, Runde 4:
In der vierten Runde geschah dann aber der befürchtete worst case mit 0/2. Philipp schaffte es gegen einen 16-jährigen polnischen FM auf studien-mäßige Art und Weise, in einem ausgeglichenen Endspiel seinen Turm einzusperren. Michel bekam gegen den 17-jährigen norwegischen FM Louis Khoo-Twee (2268 FIDE) eigentlich eine gute Eröffnung, wurde dann aber irgendwie recht schnell auf der Königseite überrannt. Beide Gegner beeindruckten mit einem wahnsinnigen Tempo, was ihnen jeweils einen großen Zeitvorsprung einbrachte,
Morgen geht es dann zum ersten Mal gegen auf dem Papier schwächere Gegner - bis jetzt hatten wir 8/8 Titelträger. Kuriose Randnote: Bei einem Turnier in der tschechischen Republik würde man erwarten, überwiegend gegen Tschechen zu spielen - stattdessen haben wir in den ersten fünf Runden Gegner aus neun (!) verschiedenen Nationen zugelost bekommen, was eine coole internationale Erfahrung ist.
Dienstag, Runde 5:
Manchmal gibt es auf Turnieren so einen Tag, an dem irgendwie alle verflucht sind - den hatten wir heute. Philipp wurde von einer jungen WFM aus Südafrika direkt aus der Eröffnung attackiert und musste sich mit einem Doppel-Qualitätsopfer in eine Wiederholung retten. Michel vergab gegen einen alles blitzenden Ukrainer zunächst einen großen Eröffnungs-Vorteil, erarbeitete sich dann aber wieder ein gewonnenes Turm-Endspiel, nur um dann in letzter Sekunde Stalemate einzustellen! Ein Remis, dass sich wie eine Niederlage anfühlt. Morgen müssen jetzt wirklich mal wieder ein paar Siege eingefahren werden.
Mittwoch, Runde 6: