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Leca Open in Porto
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Leca Open in Porto

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Runde 1: Ein Großmeister als Willkommensgruß

Manche Reisen beginnen entspannt, andere gleich mit einem Paukenschlag. Bei mir war es Letzteres.

Schon einen Tag vor Turnierbeginn bin ich in angenehmer Gesellschaft von Jasmin-Denise Schloffer und Florian Charaus nach Portugal gereist. Nach einem schönen ersten Tag zum Ankommen und Eingewöhnen ging es heute endlich los, das Leca Schachturnier in Porto startete mit Runde 1, gespielt wird im beschleunigten Schweizer System.

Und gleich in dieser ersten Runde wartete eine faustdicke Überraschung auf mich: mein Gegner war niemand Geringerer als der kubanische Großmeister Jorge Roberto Elias Reyes. Mit den schwarzen Steinen ausgestattet, ging ich also in mein erstes Duell des Turniers, gleich gegen einen GM, das nennt man wohl einen sanften Einstieg.

Die Partie selbst war alles andere als ruhig, es flogen ordentlich die Fetzen. Zwischenzeitlich hatte ich sogar das Gefühl, tatsächlich eine Chance zu haben, was sich im Nachhinein als schöner, aber leider trügerischer Moment herausstellte. Im 25. Zug setzte mich mein Gegner matt und beendete damit meinen kurzen Ausflug in die Welt der Großmeister.

Morgen steht bereits eine Doppelrunde auf dem Programm. Sobald ich wieder Zeit finde, berichte ich, wie es weiterläuft. Wer nicht warten möchte, kann natürlich auch selbst auf chess-results nachsehen:
https://s1.chess-results.com/tnr1373991.aspx?lan=0&art=9&fed=AUT&flag=30&snr=48&SNode=S0

Die Partie wurde live übertragen und könnt ihr euch gerne bei LiChess ansehen:
https://lichess.org/broadcast/leca-chess-open-2026/round-1/lv21PoBh

Runde 2: Ein Bauernopfer, das keiner wollte.

Die Portugiesen sind clever, so viel steht fest: Sie spielen dieselbe Bedenkzeit wie wir bei der Innviertler Meisterschaft. Zwischen den Runden bleibt also genug Zeit für einen Bericht, und dafür bin ich durchaus dankbar, denn schreiben kann ich offenbar besser als manch anderes.

Heute durfte ich mit Weiß gegen einen jungen Portugiesen antreten. Ich hatte Lust auf ein bisschen Nervenkitzel und bot gleich ein Bauernopfer an. Mein Gegner allerdings ließ sich nicht auf Spielchen ein, spielte seriös und lehnte mit der stärksten Fortsetzung ab, ganz so, als hätte er meinen Bericht von gestern gelesen und wüsste bereits, was ihn erwartet.

Im frühen Mittelspiel hatte er gefühlt die etwas angenehmere Stellung. Ich entschied mich für die bewährte Taktik: einfach ignorieren. Kurz darauf gab ich dann doch noch mehr oder weniger freiwillig einen Bauern her, offenbar wollte ich meinem Gegner das gute Gefühl auch materiell untermauern, und konzentrierte mich stattdessen ganz auf den Sturm gegen die schwarze Königsfestung.

Mein Gegner war überaus nett und half sogar ein wenig mit, jedenfalls durfte ich ihn schließlich matt setzen. Und so freut man sich nach einem Bauernopfer, einem erfolgreichen Mattangriff und einem netten Helfer gleich doppelt: über den Sieg und aufs Mittagessen.

Die Links von gestern gelten immer noch. Auch diese Partie wurde live übertragen.

Runde 3: ein langweiliges Remis.

Diesmal ging es deutlich ruhiger zu als noch gegen den kubanischen Großmeister. Mit den schwarzen Steinen traf ich auf einen jungen Portugiesen, der die Partie von Beginn an solide und ohne große Experimente anlegte. Eine Liveübertragung gab es diesmal nicht, das Brett blieb also ganz unter uns, ohne Publikum im Internet, das mitfiebern konnte.

Die Partie selbst verlief in geordneten Bahnen. Wirft man im Nachhinein die Engine an, zeigt sich, dass sie mit den meisten meiner Züge durchaus zufrieden war, ein kleiner Trost für die Statistik, auch wenn er sportlich wenig hermacht. Das eigentliche Problem lag woanders, es gelang mir einfach nicht, aus der Stellung ein Ungleichgewicht herauszukitzeln. Mein Gegner spielte konsequent solide und ließ mir keine Angriffsflächen. Jeder Versuch, die Partie zu verkomplizieren, verpuffte an präzisem Spiel des Gegners.

So blieb am Ende nur das Remis, das ehrlichste aller Ergebnisse, wenn beide Seiten schlicht nichts finden, um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Nicht die Partie, von der man seinen Enkeln erzählt, aber ein solider Punkt und ein Nachmittag, den man ohne Herzrasen überstanden hat.

Morgen Vormittag werde ich an einem Blitzturnier teilnehmen und am Nachmittag spielen wir dann Runde 4.

Sonntagvormittag: Blitzturnier

Über das Blitzturnier am Sonntagvormittag decke ich lieber den Mantel des Schweigens, das Startgeld hätte ich wohl sinnvoller in ein gutes Mittagessen investiert. Manchmal ist die beste Turnierstrategie eben doch, gar nicht erst anzutreten. Aber gut, man lernt nie aus, auch nicht aus den eigenen Fehlentscheidungen.

Runde 4: Spiel auf ein Tor

Umso erfreulicher verlief dann Runde 4. Am Brett saß mir ein sehr sympathischer Portugiese gegenüber, mit dem sich auch abseits des Spielfelds ein paar nette Worte wechseln ließen. Sportlich gesehen leistete er mir allerdings wenig Widerstand, seine Figuren agierten zu passiv, die Verteidigungsstellung blieb zu statisch, um den Druck auf Dauer standzuhalten. Nach einem positionellen Qualitätsopfer setzte sich schließlich mein von den Läufern kraftvoll unterstützter Freibauer durch und entschied die Partie zu meinen Gunsten.

Interessant war dabei die Rundeneinteilung selbst, in einem normalen Turnier nach klassischem Schweizer System wäre dieser Gegner wohl schon mein Erstrundengegner gewesen. Hier wurde jedoch nach dem beschleunigten Schweizer System gespielt, wodurch sich diese Begegnung erst deutlich später ergab.

Kurze Erklärung zum beschleunigten Schweizer System:

Beim klassischen Schweizer System werden die Teilnehmer nach der ersten Runde grob nach Spielstärke (Rating) sortiert und dann nach Punktegleichheit gepaart, wer die gleiche Punktzahl hat, spielt gegeneinander, wobei innerhalb der Punktegruppe möglichst nach Rating sortiert wird. Bei Turnieren mit vielen Teilnehmern und wenigen Runden führt das aber dazu, dass die stärksten Spieler erst spät oder gar nicht aufeinandertreffen.

Das beschleunigte Schweizer System (accelerated pairing) korrigiert das: In den ersten ein bis zwei Runden werden die oberen Spieler des Feldes künstlich mit zusätzlichen "virtuellen" Punkten versehen, so als hätten sie bereits gewonnen. Dadurch werden von Anfang an stärkere Spieler stärkeren Spielern gegenübergestellt, statt dass sich das erst über mehrere Runden einpendelt. Das Ziel ist, schneller zu aussagekräftigen Ergebnissen an der Spitze zu kommen und die Erringung von Normen zu erleichtern. Nach ein bis zwei Runden verschwindet der virtuelle Bonus wieder, und das Turnier läuft normal nach den klassischen Schweizer-System-Regeln weiter.

Runde 5: Spanische Verhältnisse

In der fünften Runde traf ich mit Schwarz auf einen spanischen IM, und wie sollte es anders sein, er spielte Spanisch. Ich kam gut aus der Eröffnung, ein bequemer Ausgleich war wohl locker drin. Doch im 30. Zug griff ich daneben, ein grober Fehler, der ein Weiterspielen sinnlos machte.

Die eigentliche Geschichte der Partie spielte sich aber schon im 2. Zug ab. Mein Gegner reklamierte, mein Sc6 sei ein illegaler Zug gewesen, da ich nicht gewartet hätte, bis er die Uhr gedrückt hatte. Ich verneinte und empfahl ihm, den Schiedsrichter zu fragen, was er auch tat. Ergebnis: nicht illegal. Da mein Gegner aber nicht ganz überzeugt war, kam eine Schiedsrichterin dazu, die ihm die Regel auf Spanisch erklärte, während der Hauptschiedsrichter seine beiden Mitarbeiterinnen überwachte, damit nichts schiefgeht. Im 2. Zug schon drei Schiedsrichter und eine Traube Schaulustiger am Brett, das hatte ich noch nie erlebt.

Zur Ehrenrettung meines Gegners muss ich sagen, dass die Regel in Spanien tatsächlich anders ausgelegt wird, und ihm bei einer ähnlichen Reklamation kürzlich ein Schiedsrichter recht gegeben hatte. Nach der Partie hatten wir gemeinsam, Gegner und Schiedsrichter, noch viel Spaß mit der Frage, ob eigentlich der 3. Zug meines Gegners illegal gewesen sei, denn vor lauter Aufregung mit den Schiedsrichtern hatte er vergessen, seinen 2. Zug durch Drücken der Uhr abzuschließen. Der Schiedsrichter meinte, das sei kompliziert. War aber ohnehin nur ein Scherz, denn wie Peter Kranzl immer zu sagen pflegt: Wir wollen Freunde bleiben.

Runde 6:

Runde 7:

Runde 8:

Runde 9: